Ihr Lieben, diesen Sommer ist es wirklich ein bisschen still um uns geworden. Wir lieben unseren Blog, eure Blogs, diese tolle Gemeinschaft, haben aber leider viel zu wenig Zeit dafür gehabt die letzten Monate. Wir sind auch ehrlich, so richtig spannende und aufregende Sachen gab es von hier auch gar nicht zu berichten. Und immer nur über Krankheiten zu schreiben, macht ja irgendwie auch keinen Spaß.
Meistens war es ja so, dass wir tolle Fotos von Casper und Anne gemacht haben, die wir euch dann mit einer kleinen Geschichte herum gezeigt haben. Manchmal ist es aber so, das kennt ihr ganz bestimmt auch, dass man ein Thema im Kopf hat, eine Sache erlebt hat, die man mitteilen möchte. Fotos sind da Nebensache.
So geht es mir heute, oder eigentlich schon seit ein paar Tagen. Ich habe hin und her überlegt, diese Sache, die ich erlebt habe, hier mit euch zu teilen. Heute dachte ich dann, warum eigentlich nicht. Also schreibe ich euch meine Gedanken heute frei von der Leber weg auf.
Seit Ende April dieses Jahr ist es so, dass unsere Anne nicht mehr selbstständig laufen kann. Sie ist nicht gelähmt, aber ihre Hinterbeine sind durch jahrelange Arthrose und Hüftdysplasie so kaputt, dass sie keine Kraft mehr hat, selbstständig aufzustehen und zu laufen. Kleine Ausnahmen gab es und gibt es, aber wir sind uns im Klaren darüber, dass es keine Besserung mehr geben wird. Wichtig ist uns, dass Anne keine Schmerzen hat. Seit vier Monaten wissen wir also wie es ist den Tagesablauf so zu strukturieren, dass es Anne dennoch an nichts fehlt. Wir führen einen Plan, wann sie wach wird, schläft, frisst, ihre Geschäfte macht, in ihrem Rolli ist, Medikamente bekommt und Auffälligkeiten sind. Wir haben uns so eingeschränkt, dass es Aktivitäten ausserhalb von Zuhause bis auf die Arbeit natürlich, kaum noch gibt. Freunde kommen zu uns zu Besuch, weil wir Anne und Casper abends nicht allein lassen möchten. Alle haben dafür Verständnis.
Seit fast sechs Wochen ist es so, dass Anne kränkelt. Erst die Sache mit den Fliegen, von der wir euch berichtet haben. Zwei Wochen später bekam sie plötzlich Durchfall. Wir haben unzählige Tests machen lassen, Blutuntersuchung, Kotproben gesammelt, Hausbesuche... kein einziges Ergebnis. Zudem hat sich Casper auch noch bei Anne angesteckt, mit dem, wovon keiner weiß, was es ist. Seit einer Woche bekommt Anne nun Antibiotika und es hilft seit der ersten Gabe. Casper bekommt es seit gestern. Nun muss alles nur auch stabil bleiben, wenn das Medikament abgesetzt wird.
Vielleicht könnt ihr euch ein bisschen vorstellen, wie es ist, einen alten, kranken Hund zu pflegen, der nicht mehr aufstehen kann, wenn er das Bedürfnis hat und sich erleichtern muss, zudem noch Durchfall. Es waren Tage, wo es nur dieses Thema gab - Woher kommt dieser Durchfall?? Wie bekommen wir hin weg?? Was soll Anne fressen?? Wann muss sie raus?? Tage, an denen wir trotzdem funktionieren mussten, arbeiten mussten. Casper gerecht werden mussten. Und wir haben es wieder geschafft, zusammen, als Familie.
Und dann gab es da diese eine Situation, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht. In meiner Arbeit (Teilzeit) habe ich eine neue Kollegin, die zwei Hunde hat. Sie wollte wissen, warum ich Teilzeit gehe und nicht Vollzeit. Die Situation war nebenbei, während der Arbeit, also kein Gespräch im eigentlichen Sinn. Ich habe ich erklärt, dass ich auch zwei Hunde habe, einer davon ist alt und kann nicht mehr laufen, braucht Hilfe und Betreuung. Und dass es mir im Moment lieber ist Teilzeit zu gehen und das auch gott sei Dank so möglich ist. Ihre Antwort, bzw. Frage darauf hin war, ob ich mir schon mal überlegt hätte, sie zu erlösen?! Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr so vor den Kopf gestossen seid, dass ihr gar nicht reagieren könnt? Ich hatte keine Worte... Sie hat darauf hin gesagt, dass sie vor einer Weile ihren Hund erlösen gelassen hat, weil er Krebs hatte.
Jetzt, viel später fallen mir so viele Antworten ein. Aber sei es drum, ich bin ihr keine Rechenschaft schuldig, sie kennt weder mich, noch meine Familie. Und es geht sie auch nichts an.
Nur wir wissen, was wir leisten, für wen wir es leisten und warum wir es leisten. All die Sorgen, Ängste, Mühen, all die Traurigkeit der letzten Monate ist vergessen...

...wenn Oma uns soooo anstrahlt, dann wissen wir, warum wir das alles tun! Und wir sind stolz darauf, dass wir das alles tun.
Leider gibt es in unserer Gesellschaft diese Denke, dass alles was alt ist, sei es Mensch oder Tier, nicht mehr sehr angesehen ist, bzw. nicht mehr gewollt wird. Aber jeder von uns wird mal alt und niemand möchte das Gefühl haben, nicht mehr gewollt zu sein, nur weil man alt und krank ist.
Was denkt ihr darüber??
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht??








