Mittwoch, 30. August 2017

Frei von der Leber.

Ihr Lieben, diesen Sommer ist es wirklich ein bisschen still um uns geworden. Wir lieben unseren Blog, eure Blogs, diese tolle Gemeinschaft, haben aber leider viel zu wenig Zeit dafür gehabt die letzten Monate. Wir sind auch ehrlich, so richtig spannende und aufregende Sachen gab es von hier auch gar nicht zu berichten. Und immer nur über Krankheiten zu schreiben, macht ja irgendwie auch keinen Spaß. 

Meistens war es ja so, dass wir tolle Fotos von Casper und Anne gemacht haben, die wir euch dann mit einer kleinen Geschichte herum gezeigt haben. Manchmal ist es aber so, das kennt ihr ganz bestimmt auch, dass man ein Thema im Kopf hat, eine Sache erlebt hat, die man mitteilen möchte. Fotos sind da Nebensache.  

So geht es mir heute, oder eigentlich schon seit ein paar Tagen. Ich habe hin und her überlegt, diese Sache, die ich erlebt habe, hier mit euch zu teilen. Heute dachte ich dann, warum eigentlich nicht. Also schreibe ich euch meine Gedanken heute frei von der Leber weg auf.  

Seit Ende April dieses Jahr ist es so, dass unsere Anne nicht mehr selbstständig laufen kann. Sie ist nicht gelähmt, aber ihre Hinterbeine sind durch jahrelange Arthrose und Hüftdysplasie so kaputt, dass sie keine Kraft mehr hat, selbstständig aufzustehen und zu laufen. Kleine Ausnahmen gab es und gibt es, aber wir sind uns im Klaren darüber, dass es keine Besserung mehr geben wird. Wichtig ist uns, dass Anne keine Schmerzen hat. Seit vier Monaten wissen wir also wie es ist den Tagesablauf so zu strukturieren, dass es Anne dennoch an nichts fehlt. Wir führen einen Plan, wann sie wach wird, schläft, frisst, ihre Geschäfte macht, in ihrem Rolli ist, Medikamente bekommt und Auffälligkeiten sind. Wir haben uns so eingeschränkt, dass es Aktivitäten ausserhalb von Zuhause bis auf die Arbeit natürlich, kaum noch gibt. Freunde kommen zu uns zu Besuch, weil wir Anne und Casper abends nicht allein lassen möchten. Alle haben dafür Verständnis. 

Seit fast sechs Wochen ist es so, dass Anne kränkelt. Erst die Sache mit den Fliegen, von der wir euch berichtet haben. Zwei Wochen später bekam sie plötzlich Durchfall. Wir haben unzählige Tests machen lassen, Blutuntersuchung, Kotproben gesammelt, Hausbesuche... kein einziges Ergebnis. Zudem hat sich Casper auch noch bei Anne angesteckt, mit dem, wovon keiner weiß, was es ist. Seit einer Woche bekommt Anne nun Antibiotika und es hilft seit der ersten Gabe. Casper bekommt es seit gestern. Nun muss alles nur auch stabil bleiben, wenn das Medikament abgesetzt wird. 

Vielleicht könnt ihr euch ein bisschen vorstellen, wie es ist, einen alten, kranken Hund zu pflegen, der nicht mehr aufstehen kann, wenn er das Bedürfnis hat und sich erleichtern muss, zudem noch Durchfall. Es waren Tage, wo es nur dieses Thema gab - Woher kommt dieser Durchfall?? Wie bekommen wir hin weg?? Was soll Anne fressen?? Wann muss sie raus?? Tage, an denen wir trotzdem funktionieren mussten, arbeiten mussten. Casper gerecht werden mussten. Und wir haben es wieder geschafft, zusammen, als Familie.
 
Und dann gab es da diese eine Situation, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht. In meiner Arbeit (Teilzeit) habe ich eine neue Kollegin, die zwei Hunde hat. Sie wollte wissen, warum ich Teilzeit gehe und nicht Vollzeit. Die Situation war nebenbei, während der Arbeit, also kein Gespräch im eigentlichen Sinn. Ich habe ich erklärt, dass ich auch zwei Hunde habe, einer davon ist alt und kann nicht mehr laufen, braucht Hilfe und Betreuung. Und dass es mir im Moment lieber ist Teilzeit zu gehen und das auch gott sei Dank so möglich ist. Ihre Antwort, bzw. Frage darauf hin war, ob ich mir schon mal überlegt hätte, sie zu erlösen?! Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr so vor den Kopf gestossen seid, dass ihr gar nicht reagieren könnt? Ich hatte keine Worte... Sie hat darauf hin gesagt, dass sie vor einer Weile ihren Hund erlösen gelassen hat, weil er Krebs hatte. 

Jetzt, viel später fallen mir so viele Antworten ein. Aber sei es drum, ich bin ihr keine Rechenschaft schuldig, sie kennt weder mich, noch meine Familie. Und es geht sie auch nichts an. 

Nur wir wissen, was wir leisten, für wen wir es leisten und warum wir es leisten. All die Sorgen, Ängste, Mühen, all die Traurigkeit der letzten Monate ist vergessen... 


...wenn Oma uns soooo anstrahlt, dann wissen wir, warum wir das alles tun! Und wir sind stolz darauf, dass wir das alles tun. 

Leider gibt es in unserer Gesellschaft diese Denke, dass alles was alt ist, sei es Mensch oder Tier, nicht mehr sehr angesehen ist, bzw. nicht mehr gewollt wird. Aber jeder von uns wird mal alt und niemand möchte das Gefühl haben, nicht mehr gewollt zu sein, nur weil man alt und krank ist.

Was denkt ihr darüber?? 
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht??

Kommentare:

  1. Ich kann deinen Unmut verstehen. Genau wie du, bin ich der Meinung, dass jeder selber entscheiden soll, wie er mit der Situation umgeht. Ob er seinen geliebten Hund erlöst, oder eben bis zum Ende mit ihm geht. Für mich ist bei Charly wichtig, dass er, wenn es einmal so weit ist, keine Schmerzen hat.

    Die Oma Anne ist eine kleine Kämperin und ich bin mir sicher, dass ihr genau das Richtige für sie macht. Das süße Lächeln entschädigt bestimmt ...

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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  2. You are such a wonderful caring parent of two beautiful dogs so I can understand how shocked and hurt you were by your colleagues comment. Just look at Anne's smile, she does look at happy pup to me and long may that continue
    Loves and licky kisses
    Princess Leah xxx

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  3. Fangen wir mal ganz vorne an ... wir freuen uns, egal wie oft oder selten wir von euch hören undauch nur Bilder schauen wir uns gerne an - ihr gehört eben zu "unserer" Bloggerfamilie"!
    Jetzt zum anderen Thema. Ich kann Dich gut verstehen. Nur leider hat ein Hund, eine Katze oder auch andere Lebewesen nicht bei jedem Menschen den gleichen Stellenwert.
    Als Dingo alt war sind wir auch öfter gefragt worden, warum wir ihn nicht erlösen würden. Für uns war aber immer klar, solange Dingo Freude am Leben hat ist das für uns keine Option. Auch bei Lady haben uns viele gesagt, es wäre doch viel einfacher sie gehen zu lassen als mit einer inkontinenten Hündin zu leben! Aber wie kämen wir denn auf die Idee ein Familienmitglied aus Bequemlichkeit zu "erlösen". Bei jedem unserer Hunde ist uns diese Entscheidung schwer gefallen - aber wir haben sie dann getroffen als wir das Gefühl hatten, unsere Hunde haben ihre Lebenslust und Lebensfreude verloren ... nicht früher aber auch nicht später.
    Alleine zu sehen wie Anne strahlen kann macht doch deutlich, wie richtig eure Handlungsweise ist.

    Es ist manchmal schwer damit umzugehen, dass andere Menschen eben eine ganz andere Einstellung haben - und es ist manchmal einfacher, sich nicht zu rechtfertigen oder seine Handlungen zu begründen ... weil das Gegenüber es dann doch nicht verstehen würde. Lass Dich durch solche Menschen nicht herunterziehen ... Ihr habt bis jetzt tolle Entscheidungen getroffen und ihr lebt mit Anne und Casper - sonst keiner!

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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  4. Auch mein Arbeitskollege fragte mich, ob ich Socke nicht erlösen möchte. Zu der Zeit ging es ihr wirklich sehr schlecht. Er selber musste einen Hund in jungen Jahren wegen schwerer Krankheit gehen lassen und ich denke, dass genau diese Erfahrung zu solchen Aussagen führen. Ich bin sicher, sie sind nicht böse gemeint. Sie zeugen von Hilflosigkeit und der Suche nach Bestätigung für das eigene Tun….

    Nur ihr könnt die Entscheidung treffen, nur ihr wisst, wozu ihr bereit seid und was leistbar ist.

    Ich sende Euch die besten Wünsche und viele liebe Grüße

    Sabine mit Socke

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  5. We understand what it's like to take care of an aging dog. We've been through it three times. The older they get, the dearer they are to your heart.

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  6. Ich kann sehr gut verstehen das du vollkommen perplex warst. Als Lotte an EPI erkrankte war sie gerade eineinhalb Jahre alt. Weil Lotte zu diesem Zeitpunkt sehr dürr war, erklärte ich das einem anderen Hundehalter. Seine Antwort wortwörtlich war: "Die wär bei mir schon lange gegen eine Schippe gerannt!" Ich war dermaßen schockiert das ich wortlos weg gegangen bin. Jetzt ist Lotte über 11 Jahre alt und hat immer noch Lebensfreude. Auch wir haben sehr schwierige Zeiten hinter uns, aber der Kampf hat sich immer gelohnt und wir werden weiter mit Lotte kämpfen.
    Ich denke das es euch genau so geht. Das Strahlen von Anne entschädigt für alle Mühen.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  7. Nun hab ich das Handy in der Hand und so viele Gedanken sind in meinem Kopf...
    zu mir hatte eine Tierärztin auch schon gesagt ich sollte überlegen...
    Und nach einem halben Jahr, sah sie Tibi wieder und fragte, was ich mit dem Hund gemacht hab, sie hatte kullerrunde Augen, wie toll sich Tibi's Gesundheitszustand verbessert hatte.
    Und ehrlich... ich hab Angst wenn ich eine Entscheidung treffen muss...
    Eine Bekannte, die ich einige Zeit nicht gesehen hab, fragte mich:" Lebt dein Hund noch?"
    Das sind Augenblicke, wo ich erst schlucken muss, um dann zu antworten.
    Aber sie meinte es nicht böse...
    Oder wenn ich mit dem Hundebuggy im Urlaub ( lange Strecken ) unterwegs bin und zu Tibi gesagt wird:"Du hast es aber gut."
    Gedankenlosigkeitkeit? Niedlichkeitsfaktor? Nett sein wollen?
    Wohl von allem etwas. Ich sage schon nicht mehr:"Gut gehen würde es ihr, wenn sie durch die Gegend toben könnte, leider ist sie alt und nicht gesund."
    Oder :"Den elektrischen Rollstuhl kann sie leider nicht selbst bedienen."

    Ach wichtig ist doch nur, für die Tiere das Beste zu machen... und Ihnen unsere Liebe und Fürsorge zu geben. Und ehrlich, was andere da über uns / mich denken, ist mir mittlerweile schnurz egal.
    Die Blicke von Anne und Tibi zeigen doch, es geht unseren Süßen trotz Handicap gut.

    So wünsche ich eine gute Zeit, und weniger Sorgen um die Fellnasen.

    Herzliche Grüße
    Sylvia

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  8. Puh, ein wirklich schweres Thema - aber eines, mit dem sich jeder Hundehalter mal beschäftigen muss. Und ich finde es gut, sich rechtzeitig Gedanken zu machen.
    Aber eines Weis ich ganz genau: Du wirst irgendwann die richtige Entscheidung und den richtigen Zeitpunkt treffen! Und zwar dann, wenn Du und Anne es merken. Und nicht dann, wenn andere es sagen oder wollen. Anne wird es Dir signalisieren und Du wirst bei ihr sein. Und nicht, weil sie alt ist, sondern weil es nicht mehr geht.
    Lass Dir da von niemanden reinreden und schon gar nicht mit dem Argument: Alter!
    Hilfe und Beratung ist immer gut und wichtig, sich austauschen und beratschlagen - aber sicher nicht, weil Anne nun alt ist!
    Und weißt Du was? Du liebst Anne! Dies wird es Dir nicht leichter machen, aber gerade weil Du sie liebst wirst Du für sie da sein.
    Es gibt da ein ganz tolles Buch von Cid Jonas Gutenrath.... " Teddy oder wie ich lernte die Menschen zu verstehen" (https://www.amazon.de/dp/B00PLXQ550/ref=dp-kindle-redirect?_encoding=UTF8&btkr=1). Die Kernaussage ist eben auch: Der Hund bleibt so lange bei seinem Frauchen, bis er seine Aufgabe erfüllt hat. Welche Aufgabe das ist, ist immer unterschiedlich. Aber erst wenn diese Aufgabe erledigt ist, wird er gehen. Was wird und will Dich Anne lehren? Geduld? Mut? Nicht aufzugeben? Abenteuer gemeinsam durchstehen?
    Anne hat es gut bei Dir! Und wegen dem Alter wirst Du sie sicher nicht aufgeben! Niemals! Und das weiß Anne auch!
    Deine Dani (dieses Mal nicht in Easys Namen, sondern in meinem ganz eigenen!)

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  9. Ich verstehe dich sehr sehr gut. Dennoch denke ich das man die Zeit nicht übersehen sollte um ein eigenes Bedürfnis zu erfüllen, dieses eigene nicht loslassen können, dieses eigene Gefühl wie schwer es ohne sie sein wird, wie sehr sie fehlen wird, all dies hinauszögern zu wollen. Auch wenn dieses Strahlen Euch entschädigt, entschädigt es auch Anne? Abschied fällt schwer und es ist unsagbar schwer die Entscheidung über ein anderes Leben oder Sterben zu treffen, ich würde auch wie du ihr die Zeit zugestehen mit all den Wehwehchen und schwierigen Zeitten die eben so ein Alter mit sich bringt. Ich hatte dieses Thema auch kürzlich und musste dran denken wie arg es wäre würden wir mit alten gebrechlichen Menschen so umgehen und gleich von erlösen sprechen sobalds ein wenig schwierig wird. Verrückt, dieses denken haben wir nur bei Tieren und wie du muss man sich eben regelrecht rechtfertigen wenn man diese Altersleiden beim Haustier in Kauf nimmt und sich dem eben anpasst. Ihr macht das toll und Euer Herz wird Euch das richtige sagen, zur richtigen Zeit! Vertrau darauf und auf nichts anderes <3 Ihr werdet einfach spüren wenn es soweit ist sie gehen zu lassen, das weiß ich. Vorhe rlass Dich nicht verunsichern. Jeder einzelne noch gute Tag ist so viel mehr wert als alles andere, für Anne, für Casper und für Euch... alles Liebe und tausend Herzen schick ich Euch GLG, MamaMia

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